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Festrede zum 5. Jahrestag des Heinrich-Heine-Clubs Offenbach Drucken E-Mail
Gehalten vom Clubvorsitzenden Günther Diehl im Wiener Hof am 23.2.2008


Am 17.2.2003 und damit zum 147. Todestag von Heine wurde die Gründung des Heinrich-Heine-Clubs in Offenbach vor 5 Jahren mit der Aufführung des Versepos „Deutschland – Ein Wintermärchen“ im Theateratelier Bleichstraße 14H vollzogen.

Warum ausgerechnet Heine als Namensgeber für den neuen Offenbacher Kulturverein, so wurden wir öfters gefragt. Warum also Heine, obwohl er keine Geliebte in Offenbach hatte? Wir wissen auch nicht, ob er während seiner Volontärzeit als Bankkaufmann in Frankfurt 1815 wenigstens einmal über den Main von Frankfurt aus nach Offenbach geblickt hat. Warum also trotzdem Heine?

Bei der Betrachtung von Leben und Werk Heines sehen wir viele inhaltliche Schnittstellen, die uns für die Entwicklung demokratischer Bildung und Kultur sowie auch in aktuellem Bezug auf die Zeit in der wir heute leben, sehr geeignet erschien. So wird gleich zum Einstieg in Heines Wintermärchen auch unser Anspruch nach sozialer Gerechtigkeit so eindrucksvoll vorweg gestellt:
„Ein neues Lied ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

1831 verließ Heine enttäuscht von den Zuständen in Deutschland und angespornt durch die Ereignisse der Juli Revolution in Frankreich seine Heimat und ging ins Pariser Exil. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren nicht nur die Losungen der Französischen Revolution, sondern hatte auch Heine mit Leib und Seele erfasst und er verkündete: „Mein Schwert ist meine Feder!“

1835 wurden dann sämtliche Heine-Schriften durch Bundestagsbeschluss im ganzen Gebiet von Preußen und Österreich verboten. Doch auch vom Exil aus ließ sich Heine nicht davon abhalten mit spitzer Feder die preußischen Zustände im damaligen verknöcherten Deutschland anzuprangern.


Oft gepaart mit üblem Antisemitismus, dem Heine wegen seiner jüdischen Herkunft sein ganzes Leben lang begleitete, wurde er als
„Nestbeschmutzer“ und „Vaterlandsverräter“ von deutschem Boden aus gebrandmarkt.

Mehr als hundert Jahre danach geschah zur Nazizeit dann schließlich das, wovor Heine in seiner Zeit in seinem Fragment zum Theaterstück „Almansor“ schon vorgewarnt hatte:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“

Einer der inhaltlichen Schwerpunkte des Heine Clubs war und ist es, sich vor allem jenen Literaten und anderen Kulturschaffenden zu widmen, die sich als Schriftsteller oder Künstler kritisch gegenüber den gesellschaftlichen Verhältnissen äußerten, Zivilcourage bewiesen und dafür nicht selten geächtet, verfolgt und mitunter gar ermordet wurden. Wir wollen, insbesondere auch jene Poeten in der Erinnerung wach zu halten, die unter dem verbrecherischen deutschen Faschismus als „verbrannte Dichter“ in die Geschichte eingingen und deren Bücher wie die von Heine in den Flammen loderten.


Ein zweiter großer Baustein unserer Arbeit ist unser internationales Kulturverständnis im Sinne von Freundschaft und Völkerverständigung, das keinen Platz hat für Rassismus und Neonazismus! Heine wandte sich stets gegen bornierten Nationalismus und Deutschtümelei und definierte sich als Weltbürger. Er leistete wertvolle Beiträge zur Verständigung der Menschen und Kultur zwischen Frankreich und Deutschland.

„Ich liebe die Deutschen aber nicht minder den Rest der Welt!“, so Heine und in den Briefen aus Berlin schreibt er:
„Wenn man so viele Herrlichkeiten bei Fremden sieht, gehört wirklich eine ungeheure Dosis Patriotismus dazu, sich noch immer einzubilden, das Vortrefflichste und Köstlichste was die Erde trägt sei ein Deutscher!“



Mit vielfältigen Formen haben wir eine ganze Reihe Clubabende zu internationalen Autoren und der Kultur verschiedener Länder vorgestellt, wie z.B. auf einem Abend mit persischer Poesie und Musik oder auch die Vorstellung Türkischer Autoren in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit befreundeten türkischen Verbänden und mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung.



Auch künftig wird der Heine Club mit kulturellen Mitteln Beiträge zu leisten um sich besser kennen zu lernen und Brücken zu bauen zur gegenseitigen Achtung und Anerkennung.

Nazim Hikmet, der wohl bekannteste klassische Türkische Dichter schrieb einst:

„Leben einzeln und frei, wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald, ist unsere Sehnsucht!“

Dieser Vision möchten wir zustimmen und dazu ermuntern, auch wenn es noch so schwierig zu verwirklichen scheint, sich in diesem Sinne zu engagieren.

In den ersten 5 Jahren unserer Clubarbeit waren wir neben unseren kultur- und bildungspolitischen Schwerpunkten darüber hinaus aufgeschlossen für eine breite Programmvielfalt, die auch noch Platz fand für Satire, Spaß und volkstümliche Unterhaltung, die aus zeitlichen Gründen nicht weiter aufgeführt werden kann. Nachlesen kann man das alles in unserer zum heutigen Vereinsjubiläum vorgelegten „Dokumentation 5 Jahre Heinrich Heine Club“, in der wir alle bislang stattgefundenen Kulturveranstaltungen noch einmal festgehalten haben.

Was unseren Namenspatron Heine angeht so möchte ich mit einem Zitat des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche am Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts enden.

„Den höchsten Begriff vom lyrischen Dichter hat mir Heinrich Heine gegeben, ich suche umsonst in allen Reichen der Jahrtausende nach einer gleich süßen und leidenschaftlichen Musik.“


 

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