Heinrich Heines „Heiliger Rock“

3 Heine Jacke von Burgi Kühnemann670x300

Was hätte der „Querdenker, Poet und Rebell“ Heinrich Heine gesagt, hätte ihm ein prophetischer Zeitgenosse geweissagt, dass mehr als 150 Jahre nach seinem Tod in Offenbach am Main in einem Museum für Buchkunst und Lythographie, einer seiner Röcke ausgestellt und Anlass für eine Veranstaltung über ihn und die Bedeutung seines Werks sein würde? Geben wir es zu: Wir wissen es nicht. Doch wer Heines gesammelte Werke und Briefe einigermaßen kennt, möchte es erraten. Wahrscheinlich hätte er einen Vergleich zum Heiligen Rock von Trier gezogen und sich gefragt, ob ihm ein solcher Kult, immerhin war er Tuchhändlersohn, zur höchsten Ehre gereiche oder aber, ob er diesen Versuch, Menschen an sein Werk heranzuführen, als eine Kränkung seiner empfindsamen Seele empfunden hätte? Einiges spricht dafür, dass er den Zwiespalt poetisch überbrückt und von einer ihn mit Stolz erfüllenden Kränkung gesprochen hätte.

Heinrich Heine wusste wie kaum ein anderer deutschsprachiger Intellektueller seiner Zeit um die touristische und wirtschaftliche Bedeutung „heiliger Röcke“. Das kann man einem Briefzitat entnehmen, das der Theaterkritiker und Heine-Fan Maximilian Harden 1891 in einem Artikel über den damals in Trier - wieder einmal - der Öffentlichkeit zugänglich gemachten Heiligen Rock veröffentlichte. Denn Heine hatte einmal an seinen Freund, den knauserigen Verleger Campe geschrieben: „In meinen gesammelten Werken lasse ich Dir einen heiligen Rock, aber warte gefälligst mit dem Honorar nicht, bis ich ganz tot bin.“

Heine ahnte, dass Dichter wie er erst tot sein müssen, bevor sie, wenn schon nicht als Menschheitsretter so doch als gute und damit auch als gut bezahlte Dichter anerkannt werden. Im Wintermärchen spricht er zu Jesus: „Mit Wehmut erfüllt mich jedes Mal / Dein Anblick, mein armer Vetter / Der du die Welt erlösen gewollt/ Du Narr, du Menschheitsretter! - Sie haben dir übel mitgespielt / Die Herren vom hohen Rate / Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos / Von der Kirche und vom Staate! - Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei / Noch nicht in jenen Tagen / Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch / Über die Himmelsfragen. - Der Zensor hätte gestrichen darin / Was etwa anzüglich auf Erden / Und liebend bewahrte dich die Zensur / Vor dem Gekreuzigtwerden.“


Hans See200x200Wenn Heine seine gesammelten Werke einen „Heiligen Rock“ nennt, dann lohnt es sich, anlässlich der Ausstellung seines unheiligen Rocks im Offenbacher Klingspor Museum, diesem verwunderlichen Vergleich einmal auf den Grund zu gehen. Diesen Versuch unternimmt mit einem Vortrag Prof. Dr. Hans See, Politikwissenschaftler und Wirtschaftskriminologe, der auch ein volles Germanistikstudium absolvierte und – wie er meint - Heinrich Heine mehr literaturwissenschaftliche Kenntnisse und Erkenntnisse verdankt als seinen einstigen Professoren.

 

dr stefan soltek200x200Seit 2008 ist im Offenbacher Klingspor Museum eine Heine-Jacke der besonderen Art zu besichtigen. Erläuterungen zum Ausstellungsstück gibt Museumsleiter Dr. Stefan Soltek. Erworben hat das Museum dieses Kunststück von der bekannten Malerin und Buchkünstlerin Burgi Kühnemann, nachdem der Ankauf mit Hilfe einer Spendensammlung unter Offenbacher Bürgern ermöglicht wurde.

 


 Eine Veranstaltung gemeinsam mit dem Klingspormuseum Offenbach am 25.1.2013 anlässlich des Jubiläum: 10 Jahre Heinrich-Heine-Club